Legionellen im Kühlturm erkennen und bekämpfen

Seit Inkrafttreten der 42. BImSchV (Bundes-Immissionsschutzverordnung) sind Legionellen im Kühlturm, in Verdunstungskühlanlagen und Nassabscheidern ein verbindliches Thema für Betreiber in Deutschland: Anlagen müssen so konzipiert und betrieben werden, dass eine Verunreinigung des Wassers durch Mikroorganismen – insbesondere Legionellen – verhindert wird. Wie Legionellen in den Kühlturm gelangen, warum sie ein Gesundheitsrisiko darstellen und wie sich das Wachstum wirksam kontrollieren lässt, zeigt dieser Überblick.

Was Legionellen für den Anlagenbetrieb bedeuten

Legionellen sind stäbchenförmige, aerobe Bakterien, die sowohl in natürlichen Gewässern als auch in vielen technischen Wassersystemen vorkommen. Die Gattung umfasst laut WHO über 50 Arten, Legionella pneumophila ist die bekannteste. Einige Arten können die Krankheit Legionellose auslösen – dazu zählen sowohl das mildere Pontiac-Fieber als auch die Legionärskrankheit, eine ernstzunehmende Atemwegsinfektion mit Symptomen wie Fieber, Schüttelfrost, Kopfschmerzen, Muskelschmerzen und Husten, die in schweren Fällen auch tödlich verlaufen kann. Die Übertragung erfolgt über das Einatmen kontaminierter Aerosole. Kühltürme spielen dabei eine besondere Rolle: Ihre offenen, warmen Wasserbecken bieten gute Wachstumsbedingungen, und über den feinen Nebel aus der Turmspitze können Aerosole in die Umgebungsluft gelangen. Deshalb sollten Kühltürme nie in der Nähe von Lufteinlässen oder zu öffnenden Fenstern installiert werden – nach aktuellem Kenntnisstand sind Übertragungen im Umkreis von bis zu 10 km möglich.

So gehen wir gegen Legionellen im Kühlturm vor

  • Bestandsaufnahme des betroffenen Systems (Verweilzeit, Eindickung, Betriebsweise, Technik, Wasserwerte)
  • Wasseranalyse und Legionellenprüfung nach 42. BImSchV über unseren unabhängigen, akkreditierten Laborpartner KTI
  • Reinigung und Desinfektion von Kühltürmen und Verdunstungskühlanlagen
  • Einsatz wirksamer Biozide, abgestimmt auf Anlage und Wasserqualität
  • Biozidreduzierte Kühlwasserbehandlung, z. B. mit dem All-in-One-Produkt MASTERPRO 002 aT
  • Kontinuierliche oder automatisierte Dosierung über Dosieranlagen

Wie Legionellen in den Kühlturm gelangen

Strömung und Verweilzeit

Großes Wasservolumen bei geringer Verdunstungsleistung, zu geringe Fließgeschwindigkeit sowie Stagnation in Totzonen oder bei Anlagenstillstand (z. B. am Wochenende) verlängern die Verweilzeit des Wassers und erhöhen so die Gefahr. Zielwert für die Fließgeschwindigkeit: möglichst ≥ 1 m/s.

Biofilme, raue Oberflächen und mangelnde Reinigung

Biofilme bieten Legionellen Schutz- und Nährraum und sind teils resistent gegenüber Bioziden. Rost, Ablagerungen sowie unzureichend gereinigte Kühlturmtassen und Pufferbecken begünstigen ihre Bildung zusätzlich.

Zu hohe Wassertemperatur und pH-Wert

Legionellen wachsen ideal bei Temperaturen zwischen 20 und 55 °C (Optimum rund 35 °C) und einem pH-Wert um 8 – der für Kühltürme typische Bereich von 8,5–9,5 begünstigt sie zusätzlich.

Nahrungseintrag

Pollen, Staub, Produktionseinträge sowie Zusatzstoffe wie Korrosionsschutzmittel oder Härtestabilisatoren können als Nährstoffquelle dienen.

Oxidative und nicht oxidative Biozide im Vergleich

Welches Biozid geeignet ist, hängt von Verweilzeit, Wasserqualität, Materialien und Kosten ab. Grundsätzlich gilt: Oxidative Biozide wirken schnell und bergen kein Resistenzrisiko, eignen sich aber vor allem bei kurzer Wasserverweilzeit. Nicht oxidative Biozide wirken länger nach und damit auch vorbeugend, benötigen aber Einwirkzeit und sollten regelmäßig gewechselt werden, um Resistenzbildung zu vermeiden.

Methode Wirkweise Vorteile Nachteile
Chlordioxid Gasförmig, dringt in Biofilme ein Wirksam auch bei steigendem pH-Wert, bereits in geringer Konzentration Muss vor Ort erzeugt werden; aufwendig, teuer, bei falscher Handhabung Explosionsgefahr
Chlor / Brom Schädigt Zellmembran, Nukleinsäuren und Atmung der Mikroben Weit verbreitet, kostengünstig; mit Natriumbromid auch bis pH 9 wirksam Wirkung sinkt bei pH > 8 deutlich; Bildung von AOX; bei falscher Anwendung erhöhte Korrosion
Monochloramin Entsteht aus freiem Chlor und Ammoniumchlorid Stabiler im System, weniger Nebenprodukte, durchdringt Biofilme gut Geringere Wirksamkeit als freies Chlor, längere Kontaktzeit nötig; Studienlage zu Legionellen noch begrenzt
Ozon Stärkstes Oxidationsmittel, greift Zellmembran und DNA an Wenige schädliche Nebenprodukte, zerfällt zu Sauerstoff Muss vor Ort erzeugt werden, aufwendig/teuer; greift Kunststoff/Holz an; Dosierung schwer zu treffen
Wasserstoffperoxid Oxidativ, kein klassisches Biozid Löst zusätzlich Biofilme von Oberflächen; unschädliche Zerfallsprodukte, kein AOX Wirkung sinkt bei hohem pH; kann ausgasen; in geschlossenen Kreisläufen ungeeignet
Nicht oxidierende Biozide z. B. Isothiazolinone, quaternäre Ammoniumverbindungen, Bronopol, Glutardialdehyd, DBNPA Lange Halbwertszeit, dadurch auch präventive Wirkung Resistenzbildung möglich, regelmäßiger Wechsel empfohlen; Wirksamkeit je nach Produkt sehr unterschiedlich

Häufige Fragen zu Korrosionsschutzmitteln

Nach 42. BImSchV und VDI 2047 mindestens vierteljährlich. Probenahme und Auswertung erfolgen über unseren unabhängigen Laborpartner KTI, das Ergebnis wird in einem Laborbericht dokumentiert.

Das hängt vom System ab: Oxidative Biozide wirken schnell und ohne Resistenzrisiko, eignen sich aber vor allem bei geringer Wasserverweilzeit. Nicht oxidative Biozide wirken länger nach, benötigen aber Einwirkzeit und sollten regelmäßig gewechselt werden.

Eine einfache manuelle Reinigung ist möglich. Die chemische Entkalkung und Desinfektion sollte aufgrund des Gefahrenpotenzials aber von einer Fachfirma durchgeführt werden.

Nach aktuellem Kenntnisstand sind Übertragungen im Umkreis von bis zu 10 km um eine betroffene Anlage dokumentiert – ein Grund, warum Kühltürme nie in der Nähe von Lufteinlässen oder zu öffnenden Fenstern installiert werden sollten.

Ihre Vorteile mit KEBOS

Rechtssicherheit Legionellenprüfung und Dokumentation nach 42. BImSchV und VDI 2047, inklusive Bestandsaufnahme und Laborbericht.

Fachkompetenz Auswahl des passenden Biozids nach Anlagentyp, Wasserqualität und Verweilzeit statt Standardlösung.

Nachhaltigkeit Mit abgestimmten Behandlungsprogrammen lässt sich der Biozideinsatz spürbar reduzieren.